Rauwarenzurichter*in

English: Fur and leather finisher

Berufsbeschreibung

Die Lehrausbildung im Beruf Rauwarenzurichter*in wurde per 31. Mai 2019 aufgehoben. In diesem Beruf können keine neuen Ausbildungen mehr begonnen werden.

Rauwarenzurichter*innen verarbeiten rohe Felle durch chemische und physikalische Behandlung zu Pelzen. Sie wählen verschiedene Arten von Fellen wie Nerz, Fuchs, Kaninchen, Schaf usw. aus und bearbeiten diese, um sie zu konservieren und geschmeidig zu machen. Dafür verwenden sie verschiedene Messer und Bürsten sowie Entfleisch- und Schleifmaschinen. Darüber hinaus hantieren sie mit Laugen, Säuren und Gerbstoffen. Rauwarenzurichter*innen arbeiten sowohl in gewerblichen als auch in industriellen Rauwarenzurichtungsbetrieben im Team mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten. Je nach Betriebsgröße haben sie auch Kontakt mit Kund*innen und Lieferant*innen.

Bitte beachte: Dieser Beruf ist in Österreich ein absoluter Nischenberuf. Es bestehen nur wenigen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Rauwarenzurichtungsbetriebe sind üblicherweise räumlich in Nass- und Trockenwerkstätten geteilt. In der Nasswerkstatt finden die Vorbereitungsarbeiten für die Gerbung und der Gerbvorgang selbst statt. In der Trockenwerkstatt erfolgt die Weiterverarbeitung und Veredelung der Felle. Es hängt von der Betriebsgröße ab, in welchem Bereich Rauwarenzurichter*innen eingesetzt werden und welche Tätigkeiten sie verrichten. Die meisten Betriebe sind nicht spezialisiert und verarbeiten sämtliche Arten von Fellen wie z. B. Nerz, Fuchs, Kaninchen, Nutria, Schaf, Waschbär, Katze, Hase, Kalb und Wildschwein.

Rauwarenzurichter*innen sortieren die Rohfelle und stellen sie je nach Fellart zu Partien für die Weiterverarbeitung zusammen. Sie weichen die Felle in Bottiche und Fässer mit Waschmittellösungen ein, um sie von Schmutz und Blutresten zu reinigen und entfernen das noch anhaftende Fleisch. Danach beizen sie die Felle, indem sie sie in eine mit Kochsalz und organischen Säuren (vor allem Ameisensäure) versetzte Lösung legen, um das Fasergefüge der Haut aufzulockern.

Rauwarenzurichter*innen setzen in Fässern oder Trommeln die Gerblösung an und lassen die Felle 12 bis 24 Stunden darin liegen. Die Rezeptur der Gerblösung richtet sich nach der Fellart, üblicherweise verwenden Rauwarenzurichter*innen Alaun (Aluminiumsalze), Chromsalze und synthetische Gerbstoffe. Danach behandeln sie die Felle chemisch und mechanisch, um ihnen die erforderlichen Eigenschaften zu verleihen: Rauwarenzurichter*innen fetten die Felle, schneiden sie auf gleichmäßige Dicke und spannen sie zum Trocknen auf. Sie strecken, dehnen und klopfen die Felle, um sie weich und geschmeidig zu machen und schleifen und rauen das verfilzte Haarkleid auf.

Rauwarenzurichter*innen verwenden bei ihrer Arbeit Werkzeuge wie Kreismesser und weitere verschiedene Messer, Kämme, Bürsten. Sie arbeiten an und mit Entfleischmaschinen, Schleifmaschinen, Pressen, Nähmaschinen usw. Sie verarbeiten Felle aller Art (z. B. Nerz, Fuchs, Kaninchen, Schaf) und hantieren mit verschiedenen Säuren, Laugen sowie mit organischen und anorganischen Gerb- und Farbstoffen.

Rauwarenzurichter*innen arbeiten in gewerblichen und industriellen Werkstätten und Fertigungshallen. Sie arbeiten mit Berufskolleg*innen und mit verschiedenen betrieblichen Fach- und Hilfskräften zusammen. Je nach Betriebsgröße haben sie auch Kontakt mit Kund*innen und Lieferant*innen.

  • Felle in Bottiche und Fässer mit Waschmittellösungen einweichen
  • am Unterhautgewebe noch anhaftende Fleischreste mit Kreismessern oder Entfleischmaschinen entfernen
  • Felle mit Kochsalz oder organischen Säuren beizen und pickeln
  • Gerblösung nach Rezeptur (die Felle bleiben 12 bis 24 Stunden darin liegen) ansetzen
  • die gegerbten Felle chemisch und mechanisch nachbehandeln
  • die Felle fetten, zuschneiden und trocknen
  • die Felle strecken, dehnen und klopfen, um sie weich und geschmeidig zu machen
  • Innenseite mit einer Schleifmaschine glatt schleifen
  • Fellhaare aufrauen, kämmen und bürsten

Beschäftigungsmöglichkeiten für Rauwarenzurichter*innen bestehen in Österreich vereinzelt bei:

  • Gewerblichen Gerbereien
  • Klein- und Mittelbetriebe der Ledererzeugung

Rauwarenzurichter*in ist in Österreich ein Nischenberuf und wird primär in gewerblichen Kleinbetrieben ausgeübt. Die Entwicklungs- und Spezialisierungsmöglichkeiten sind daher eher begrenzt und ergeben sich oft in angrenzenden Berufsbereichen in der Textil-, Leder- und Modebranche.

Mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung sind beispielsweise folgende Spezialisierung möglich:

  • Entwicklung von neuen Designs und Produkten (Materialien, Schnitte)
  • Maßanfertigung von Pelz- und Lederkleidung
  • Handel und Verkauf von Pelz- und Lederprodukten
  • Reparatur, Änderung und Umarbeitung von Pelz- und Lederprodukten
  • Herstellung von Pelz- und Lederkostümen für Theater- und Filmproduktionen
  • Ledertechnik, Pelztechnik und Bekleidungstechnik

Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten (Auswahl):

Hier finden Sie ein paar Begriffe, die Ihnen in diesem Beruf und in der Ausbildung immer wieder begegnen werden:

 Abbalgen