Ökosystemwissenschafter*in

Andere Bezeichnung(en): Systemwissenschafter*in, Umweltsystemwissenschafter*in

Berufsbeschreibung

Ökosystemwissenschafter*innen führen das Wissen aus mehreren Fachdisziplinen ( Ökologie, Biologie, Chemie, Umwelttechnik, aber auch Betriebswirtschaft, Mathematik usw.) zusammen und entwickeln daraus Lösungen und Modelle zur Vermeidung von Umweltproblemen. Sie studieren den Einfluss des Menschen auf Ökosysteme wie Landschaften, Gewässer, Ozeane und berechnen und prognostizieren Effekte wie Klimaerwärmung, Gletscherschmelze, saurer Regen usw. Sie messen und sammeln verschiedene Umweltdaten wie Temperatur, Luftdruck, Ozongehalt, Luft-, Wasser- und Bodenverschmutzung und werten diese Daten in Form von Tabellen, Statistiken, Diagrammen und Modellen aus.

Ökosystemwissenschafter*innen sind bei Forschungsinstituten, an Universitäten oder im öffentlichen Dienst (Behörden, Ministerien) tätig, erstellen Umweltverträglichkeitsprüfungen und beraten und betreuen Umweltschutzorganisationen. Sie arbeiten im Team mit verschiedenen Fachkräften, Expertinnen und Experten sowie wissenschaftlichen Assistentinnen und Assistenten zusammen.

"Die Möglichkeit zur zukunftsfähigen Entwicklung der Erde beizutragen, und die Freiheit, das tun zu können, was mir am Herzen liegt. Weitergeben zu können, was mir wichtig ist."
Mag.a Dr.inInes Omann, Senior Researcher bei SERI Nachhaltigkeitsforschungs und -kommunikations GmbH, auf die Frage "Was fasziniert Sie an Ihrem Beruf. FEMtech Expertin im April 2010

Ökosystemwissenschafter*innen beschäftigen sich mit den Folgen des menschlichen Einflusses auf Ökosysteme wie Wälder, Seen, Steppen oder Meere. Eingriffe wie z. B. die Abholzung von Regenwäldern, Schadstoffbelastungen durch Autoabgase oder die Meeresverschmutzung durch abgeleitete Industrieabwässer schädigen Ökosysteme langfristig über Jahrzehnte hinaus. Die Ökosystemwissenschafter*innen versuchen solche Auswirkungen einzuschätzen und erarbeiten Maßnahmen zur Reduzierung oder Vermeidung von Umweltzerstörungen. Zu diesem Zweck führen sie Beobachtungen und Messungen in der Natur durch und arbeiten experimentell im Labor. Sie untersuchen die Energie- und Stoffkreisläufe zwischen den verschiedenen Faktoren und erforschen den Einfluss des Menschen auf die Umwelt. Mit Hilfe von Computern werden Ökosystemsimulationen und -modellierungen erstellt. Mit Hilfe dieser Methoden können schon mit geringen Datenmengen wissenschaftliche Aussagen gemacht werden.

Ökosystemwissenschafter*innen beschäftigen sich neben den naturwissenschaftlichen und mathematisch-analytischen Grundlagen auch mit sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Aufgaben. Ihre Tätigkeiten umfassen z. B. die Planung, Organisation und den Aufbau von Umweltbeobachtungssystemen, die Auswertung von Umweltbeobachtungsdaten sowie die Beratung von politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger*innen (z. B. Gutachten, Flächenwidmungspläne erstellen, umweltschonende Produktionsformen entwickeln). Ökosystemwissenschafter*innen sind  interdisziplinär ausgebildet und besitzen unter anderem Kenntnisse in den Disziplinen  Botanik, Bodenkunde, Chemie, Klimatologie, Mineralogie und  Zoologie.

Ökosystemwissenschafter*innen arbeiten mit Computern, Laptops und verschiedenen Messinstrumenten, mit denen sie Umweltdaten aus Luft, Boden und Wasser aufnehmen. Bei der Auswertung der Daten hantieren sie mit Laborgeräten, Mikroskopen, Indikatoren, Reagenzien usw. Die gewonnenen Daten werden mittels spezieller Computerprogramme ausgewertet und modelliert. Ökosystemwissenschafter*innen verwenden weiters Handbücher, geologische und geographische Karten, Datenbanken, Protokolle, wissenschaftliche Dokumente und Aufzeichnungen.

Ökosystemwissenschafter*innen arbeiten in Labors und Büros an wissenschaftlichen Instituten und Forschungseinrichtungen und im öffentlichen Dienst auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene. Bei ihrer Arbeit sind sie häufig im Freien, oft auch unter extremen klimatischen Bedingungen tätig (z. B. bei Forschungsexpeditionen in Wüsten- oder Regenwaldgebiete). Sie arbeiten je nach Aufgabengebiet  interdisziplinär im Team z. B. mit Ökolog*innen (siehe Ökologe / Ökologin), mit Biolog*innen (siehe Biologe / Biologin), Chemiker*innen, Agrartechniker*innen sowie mit wissenschaftlichen Assistent*innen zusammen.

  • Forschungsprojekte planen und durchführen, Forschungsergebnisse auswerten und veröffentlichen
  • Ökosysteme wie z. B. Landschaften, Gewässer untersuchen und beschreiben
  • Wechselwirkungen, Energie- und Stoffkreisläufe zwischen den verschiedenen Ökosystembestandteilen (Atmosphäre, Erde, Mensch, Tier, Pflanzenwelt) untersuchen und darstellen
  • den Einfluss des Menschen (z. B.  Emission von Schadstoffen und Treibhausgasen) auf Ökosysteme wie Wälder, Ozeane aufzeichnen, erforschen und analysieren
  • Forschungsergebnisse in mathematische Modelle umsetzen, in der Natur ablaufende Prozesse am Computer simulieren, Simulationsprogramme entwickeln (gemeinsam mit Programmierer*innen)
  • Effekte wie Klimaerwärmung, Gletscherschmelze usw. berechnen und prognostizieren
  • Konzepte und Lösungen zur Sanierung von geschädigten Ökosystemen erarbeiten
  • Konzepte und Lösungen zur nachhaltigen Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen des Menschen erarbeiten
  • Lehrveranstaltungen vorbereiten und abhalten, Studierende betreuen
  • Begutachtungs- und Beratungstätigkeiten für Behörden, Ministerien usw.: Gutachten und Expertisen erstellen (z. B. Umweltverträglichkeitsprüfungen bei Bauvorhaben), politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger*innen beraten
  • Universitäten und wissenschaftliche Institute
  • Betriebe im Bereich des Öko-Managements
  • Behörden (z. B. Ministerien), Ämter, Verbände und Kammern
  • Umweltberatungsstellen

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